Aktenzeichen C 292/06

Griechische Opfer der NS-Okkupation klagen vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg auf Entschädigung – ein Prozeß mit möglicherweise weitreichenden Folgen.

Nach einem spektakulären Rechtsstreit sah das nicht gerade aus, was am 28. September 2006 vor dem Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaft in Luxemburg, dem EuGH, zur mündlichen Verhandlung anstand. »Die Rechtssache Irini Lechoritou u.a. gegen die Bundesrepublik Deutschland – Vorabentscheidungsersuchen des Oberlandesgerichts Patras« – stand auf der Tagesordnung. Medienpräsenz und Presseecho waren entsprechend gering. Und doch ist das Verfahren mit dem Aktenzeichen C 292/06 von einiger Bedeutung. Es könnte am Ende um einige hundert Millionen Euro Schadensersatz für lange vergangenes Unrecht gehen, weiterlesen →

Wettrüsten in der Ägäis

Es mag erstaunen, dass bei den Diskussionen um den EU-Beitritt der Türkei ein Thema so gut wie keine Rolle spielt: der seit Jahrzehnten anhaltende griechisch-türkische Konflikt in der Ägäis. Dabei drohte dieser mehr als einmal in einen heißen Krieg umzuschlagen. Geostrategische und Menschenrechtsfragen, der innere Demokratisierungsprozess und die Anerkennung Zyperns – über all das wird kontrovers diskutiert. Die fast täglichen militärischen Luftzwischenfälle über der Ägäis scheinen die EU dagegen nicht ernsthaft zu interessieren; die anhaltenden Spannungen zwischen den NATO-Partnern an der so genannten Südostflanke des Bündnisses werden ausgeblendet. weiterlesen →

Das Sorbas-Syndrom

Zur Rezeption der modernen griechischen Literatur in Deutschland

Im Februar 1993 erschien im Verlag 2001 ein Buch unter dem Titel Die Päpstin Johanna, auf dem Umschlag figurierte als Autor der auch in Deutschland nicht ganz unbekannte französische Theaterschriftsteller Alfred Jarry. Im Innern des Buches konnte man dann lesen, dass es sich bei der Päpstin um die deutsche Übersetzung einer französischen Übersetzung aus dem Griechischen handelt, der Autor in Wirklichkeit Emmanuil Roidis heißt und Jarry sein 1866 erstmals erschienenes Buch zusammen mit Jean Saltas 1904 ins Französische übertragen habe. weiterlesen →

Blutspur durch Hellas

Brutal herrschten die deutschen Besatzer in Griechenland – auf eine angemessene Entschädigung wartet das Land bis heute

Das deutsche Lamento war groß, als Mitte vergangenen Jahres die Gerichtsvollzieherin Konstantina Papaspyrou, von Polizisten begleitet, das Goethe-Institut in Athen betrat, um die Pfändung des Gebäudes vorzubereiten.

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Eine längst vergessene Geschichte

Warum Johannes Rau um die Jüdische Gemeinde von Thessaloniki einen so großen Bogen gemacht hat

Anläßlich seiner Staatsvisite in Griechenland im April dieses Jahres machte Bundespräsident Johannes Rau auch einen Besuch in dem kleinen Ort Kalavryta, der im Dezember 1943 als sogenannte »Repressalmaßnahme« von der Wehrmacht zerstört worden war. Über 700 männliche Einwohner des Ortes wurden dabei von Soldaten der 117. Jägerdivision massakriert. Rau legte für sie an der Gedenkstätte einen Kranz nieder und erklärte, es dürfe nicht vergessen werden, welches Leid Menschen in Griechenland von Deutschen zugefügt worden sei. weiterlesen →

Ehrensache

Viel ist die Rede in diesen Tagen von geraubten Bildern und Bibliotheken, mit erhobener Stimme fordert die Bonner Regierung von Rußland Beutegut aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. Da darf man neugierig sein, wie sie sich im Fall eines anderen Schatzes verhalten wird, der ein halbes Jahrhundert nach seinem Raub durch das „Sonderkommando Rosenberg“ wiederaufgetaucht ist und um dessen Rückführung der Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches sich leicht mit Erfolg bemühen könnte: das Archiv der jüdischen Gemeinde von Saloniki. weiterlesen →

Hölle im Berg

– der Mythos um Wernher von Braun

Die Geschichte des Konzentrationslagers DORA beginnt in Peenemünde. Dort hatten am 3. Oktober 1942 die Raketentechniker und Ingenieure um Wernher von Braun, Arthur Rudolph und Walter Dornberger erstmals erfolgreich die Flüssigtreibstoffrakete A4 gestartet, die Hitlers Propagandaminister Joseph Göbbels später „Vergeltungswaffe“ V2 taufte. Video jetzt ansehen.

Rudolph, zusammen mit von Braun Direktor des Raketenwerks, beantragte bei der SS, auch in Peenemünde ein KZ für 1400 Arbeitssklaven einzurichten. Der Politologe Rainer Eisfeld deckt dieses von den deutschen „Weltraumhelden“ bislang erfolgreich vertuschte Verbrechen in unserem Film auf und stellt der Legende, die von Braun (1938 NSDAP-Mitglied, 1941 SS-Sturmbannführer, nach 1945 „Vater der Saturn-Rakete“ und Träger des Bundesverdienstkreuzes), unterstützt von Massenmedien und Nachkriegspolitikern so erfolgreich schaffen konnte, die brutale Wirklichkeit gegenüber: Die deutschen V-Waffen waren eben nicht nur die Vorläufer der Flüge zu Mond und Mars. Sie trugen von 1943 an Tod und Verderben für Tausende nach London, Rotterdam und Paris.

Nach den ersten Bombenangriffen auf Peenemünde wurden sie in den unterirdischen Stollen des Kohnsteinmassivs im Harz von 60.000 Arbeitssklaven gebaut, von denen mindestens 16.000 den entsetzlichen Arbeitsbedingungen im „Mittelwerk“ und der SS im dazugehörenden KZ DORA zum Opfer fielen.

Zum 50sten Jahrestag von DORA berichten Überlebende der „Hölle im Berg“. Der Film zeigt historische Aufnahmen von der Befreiung des KZ und von den Raketenversuchen der deutschen „Raketenpioniere“ in Peenemünde und in den USA.

Nach einer Veranstaltung mit unserem Film in Paris schrieb uns Jean Mialet, Präsident des „Europäischen Komitees zur Erinnerung an DORA, Ellrich und Harzungen“: Ein ausgezeichneter Film, ganz im Sinne unseres Ziels, das Geschehen von DORA ins Gedächtnis unserer Völker zurückzurufen…

Pressestimmen:

„Ostsee-Zeitung“: Zwei Daten jüngerer Geschichte: Im Februar 1962 schicken die USA ihren ersten bemannten Flugkörper ins All; im September 1993 treffen sich ehemalige KZ-Häftlinge zum 50. Jahrestag der Errichtung des Konzentrationslagers „Dora Mittelbau“ bei Nordhausen. Der Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen ist durch vielfaches Verschweigen und Retuschieren, Beschönigen und Verleugnen historischer Zusammenhänge zugedeckt. Das durch brisante Beiträge bekannte Magazin „KANAL 4“ arbeitet diese Zusammenhänge in seiner Dokumentation „Hölle im Berg – Die deutschen Raumfahrtpioniere und ihre Konzentrationslager“ deutlich heraus… Überlebende der Gräuel kommen zu Wort – man sollte sie sich anhören.

Kölner StadtRevue: Politiker und Wissenschaftler feiern Peenemünde gern als Geburtsort der modernen Raumfahrt. Daß durch die dort entwickelten V2-Raketen in London und Amsterdam mehr als 3000 Menschen getötet wurden, wird gern als läßliche Sünde des Vaters der Saturn V Rakete, Wernher von Braun, hingenommen. Bis heute wurde vertuscht, daß die Raketeningenieure um den SS-Obersturmbannführer zur effektiveren Produktion bei Himmler 1943 ein eigenes KZ bestellten und auch bekamen. Hans Georg und Peter Kleinert enthüllen, wie Deutschland mit seinen „Raumfahrtpionieren“ und den mindestens 16.000 Opfern („durch Arbeit vernichtet“) umgeht.

Die „Frankfurter Rundschau“: Filmisch ergiebiger ist „Hölle im Berg – Der Mythos um Wernher von Braun“ von Hans Georg und Peter Kleinert, der das Image des untadeligen Wissenschaftlers, das der Raketenforscher und Raumfahrtpionier so erfolgreich kultivierte, demontiert…

Vielfältiges Archivmaterial ist mit Off-Kommentar und Aussagen von Überlebenden verknüpft; Statements eines Politologen, der das vertuschte Verbrechen aufdeckte, untermauern die Argumentation.“

Autoren: Peter Kleinert und Eberhard Rondholz
Auftraggeber: Kanal 4
Produktion: KAOS Film-und Video-Team Köln
Produktionsjahr: 1994, Länge: 29 min
Kamera: Tom Kaiser
Ton: Lars Klietsch
Schnitt: Peter Kleinert
Mischung: Birgit Köster
Grafik und Produktionsleitung: Astrid Vandekerkhove

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