Alles vergessen, alles erledigt?

Die Shoa in Thessaloniki, und wie Griechen und Deutsche damit umgehen

Am 18. August 2015 beantwortete die Bundesregierung eine kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE, betreffend die Rückerstattung der Fahrtkosten für unter Mitwirkung der Deutschen Reichsbahn (DR) deportierte griechische Nazi-Opfer. Fast 60.000 griechische Juden, die meisten aus Thessaloniki, hat sie im Frühjahr 1943 in Viehwagen nach Auschwitz und Treblinka transportiert, dafür pro „Fahrgast“ zwei Reichspfennig pro Kilometer in Rechnung gestellt, zu bezahlen aus dem geraubten Vermögen der Opfer. Die Linksfraktion bezog sich auf ein Gutachten, das die Vereinigung „Zug der Erinnerung“ angefertigt hatte. und in dem die Gesamteinnahmen auf 445 Millionen Euro (in heutigem Wert, ohne Einberechnung der Zinsen) beziffert werden (die während der Fahrt geplünderten Gepäckstücke und Wertsachen nicht gerechnet). Ganzen Beitrag lesen >>> pdf

Exantas Heft 23/ Dezember 2015

Fofi ́s Estiatorion

Eine Ausstellung in Athen

Was waren das für Zeiten – als ein „Berlin by Night“ in der New York Times noch zum Besuch einer schon legendären griechischen Taverne in der Fasanenstrasse 70 lud, aus John Le Carrés Roman „The Little Drummer Girl“ zitierend: „Scared of himself he hastened to a fashionable Greek night club he knew of, run by a woman of cosmopolitan wisdom.“ Und diese Frau von weltgewandter Weisheit war niemand anderes als Fotini Akrithakis, überall in Berlin nur bekannt unter dem Namen Fofi. … lesen Sie hier den ganzen Beitrag >>> pdf.

Exantas Heft 19/ Dezember 2013

Blutspur in Hellas

Die lange verdrängten deutschen Kriegsverbrechen im besetzten Griechenland 1941-1944

Die deutschen Kriegsverbrechen im besetzten Griechenland gehörten in der Bundesrepublik (und nicht nur hier) über Jahrzehnte zu den am wenigsten bekannten Untaten von Wehrmacht und Waffen-SS an der Zivilbevölkerung. So schrieb noch vor 12 Jahren der Historiker Hagen Fleischer: ”Die von der internationalen Historiographie erarbeitete ‚Europa-Karte‘ des faschistischen Okkupationsterrors ist extrem nord- lastig: Der Balkan und insbesondere Griechenland bilden weiße oder- bestenfalls – graue Flecken und sind einer breiteren europäischen Öffentlichkeit in diesem Kontext nahezu gänzlich unbekannt.” … lesen Sie hier den ganzen Beitrag >>> pdf.

Choregia 2012 (Jahrbuch)

Der Fall Distomo in Den Haag

Als am 12. September 2011 der Internationale Gerichtshof von Den Haag (IGH) zusammentrat, um in der Sache „Staatenimmunität – Deutschland gegen Italien“ zu verhandeln, da war das nicht das erste Mal, dass ein internationales Gericht mit dem Fall Distomo und anderen Kriegsverbrechen, begangen von deutschen Truppen im 2. Weltkrieg in Griechen- land, und den ausstehenden Entschädigungen für die Opfer zu tun hatte. Zuvor schon waren der Europäische Gerichtshof in Luxemburg (EuGH) und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg (EGMr) damit befasst. In diesen beiden Fällen hatten Opfer aus Kalavryta und Distomo gegen die Bundesrepublik geklagt und verloren. Jetzt aber hatte Berlin den Spieß umgedreht: hier klagte die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin des Täterstaats gegen die Opfer. … lesen Sie hier den ganzen Beitrag >>> pdf.

Exantas Heft 15/ Dezember 2011

Griechenland, 1821-2011

Ein bibliographischer Streifzug

Es ist noch nicht allzulange her, da musste man (so man nicht des Neugriechischen mächtig war) in der Hauptsache auf englischsprachige Literatur zurückgreifen, wenn man sich über die Geschichte Neugriechenlands informieren wollte. Das 1949 bei Bouvier in Bonn erschienene Bändchen von Hans Hallmann Neugriechenlands Geschichte 1820-1948 war über viele Jahre die einzige einschlägige deutschsprachige Veröffentlichung. Das hatte noch 1984 auch Heinz A. Richter bei der Erstellung seiner voluminösen Bibliographie zur griechischen Zeitgeschichte mit Bedauern feststellen müssen (Griechenland und Zypern seit 1920, Heilbronn 1984). Continue reading →

Und die Massenmörder züchten Blumen

Es ist schäbig, wie die Historikerkommission zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des deutschen Außenministeriums den jüdischen Historiker und Auschwitz-Überlebenden Joseph Wulf behandelt, dessen Arbeit sie gleichwohl ausgiebig nutzte.

Mag sein, daß sie nicht gespielt war, die Überraschung und Empörung so vieler Kommentatoren und Rezensenten nach Lektüre der 880 Seiten über Das Amt und die Vergangenheit. Ein »epochales Werk«, das »langgehegte Legenden entlarvt«, hieß es, von Enthüllungen über die Mitwirkung der Herren der Wilhelmstraße an der Vernichtung der europäischen Juden war immer wieder die Rede. Continue reading →

Ernst Ziller (1837-1923)

Eine Hommage für den großen klassizistischen Architekten in Athen

Als es nach dem griechischen Freiheitskrieg von 1821, der Gründung des neugriechischen Staates und der Wahl von Athen zur Hauptstadt 1834 darum ging, aus dem heruntergekommenen Provinznest eine repräsentative Hauptstadt und eine würdige Residenz zu machen, holte der importierte König, der Wittelsbacher Otto, seinerseits fremde Fachleute ins Land, als Stadtplaner und Baumeister. Leo von Klenze und Eduard Schaubert gehörten dazu, Friedrich von Gärtner, die Brüder Hans-Christian und Theophil Hansen aus Dänemark und, last but not least, Ernst Ziller aus Radebeul bei Dresden. …. lesen Sie hier den ganzen Beitrag >>> pdf.

Exantas Heft 13/ Dezember 2010

500.000 Leichen im Keller

Jüdischer Friedhof Thessaloniki

Der jüdische Friedhof von Thessaloniki: Heute nutzt die Universität den von Nazis und Einheimischen zerstörten und geplünderten Grund und Boden – und verweigert Erinnerung und Gedenken. Eine schändliche Geschichte. Continue reading →

Kampf um „Mein Kampf“

Hitler Raubdrucke kursieren ungestraft und auflagenstark in Griechenland

Im Dezember 2007 musste sich ein gewisser Konstantin Plevris, berüchtigtes geistiges Oberhaupt der (inzwischen auch im Athener Parlament vertretenen) griechischen Neo-Naziszene, wegen einer Buchveröffentlichung vor einer Strafkammer des Athener Landgerichts verantworten. Es ging um eine 1.400 Seiten starke antisemitische Hetzschrift mit dem Titel: „Juden. Die ganze Wahrheit“. In diesem üblen Buch verbreitet er nicht nur alle sattsam bekannten antisemitischen Stereotype bis hin zu den „Protokollen der Weisen von Zion“, er rechtfertigt den Nazi-Massenmord an den Juden und wirft seinem Vorbild Hitler nur eins vor: dass er sein Werk der Befreiung Europas von den Juden nicht vollendet habe. Und deshalb sei es gut, dass man das KZ Auschwitz in so gutem Zustand erhalte – es werde eines Tages noch gebraucht. Continue reading →

Kalenderblatt: Solferino

Die Gründung des Roten Kreuzes

Vor 150 Jahren bewegte eine Schlacht einen Kaufmann zum Aufbau der Organisation

Das kleine lombardische Städtchen Solferino ist ein beschaulicher Ort. Es gibt ein paar Cafés und zwei Hotels, doch Touristen verschlägt es nur selten hierher. Dabei sind es nur ein paar Kilometer von Solferino nach Sirmione, dem Touristenmekka am Gardasee. Gäbe es nicht ein Museum, eine Gedenkstätte und das Ossario, das Beinhaus, ein schauerliches Memento mori mit mehreren 1000 hinter Maschendraht aufgestapelten Schädeln – nichts erinnerte mehr daran, was am 24. Juni 1859 hier geschah: Continue reading →