Der Poet und die Partei

Jannis Ritsos und das Dilemma des politischen Dichters

Wer in diesen Tagen die Athener Untergrundbahnen benutzt, bekommt Erstaunliches zu sehen: auf fast jedem Bahnhof begegnet man Gedichten des Poeten Jannis Ritsos. Anlass: sein 100. Geburtstag am 1. Mai 1909. Das ist lobenswert, auch wenn man selten Fahrgäste sieht, die diese Gedichte auch lesen. Und auch wenn seine Werke für Lyrik unge- wöhnlich hohe Auflagen erreichten – die Griechen hören ihren Ritsos lieber als ihn zu lesen, vor allem in den Vertonungen von Mikis Theodorakis. … lesen Sie hier den ganzen Beitrag >>> pdf.

Exantas Heft 10/ Juni 2009

Ortserkundungen: Zweierlei Erinnerung

Jasenovac – Das kroatische Auschwitz

Es war eines der schrecklichsten KZs des Zweiten Weltkrieges, und es ist bis heute das am wenigstens bekannte. Hier gab es keine Gaskammern, hier wurden die Opfer mit Messern massakriert, mit Holzhämmern erschlagen oder lebendig verbrannt. 60.000 waren es, nach offizieller Lesart der Täternation, zehnmal soviel zählen Vertreter der Hauptopfergruppen: Serben, Juden und Roma. Das Memorial für die Opfer von Jasenovac wurde während des jugoslawischen Bürgerkrieges zerstört. Continue reading →

Rigas Feraios Velestinlis – der ungeliebte Nationalheld

Im Jahr 2007 jährte sich zum 250. Mal der Geburtstag des bedeutenden Revolutionärs und Aufklärers Rigas Feraios. Doch in seiner griechischen Heimat wurde dieses Jubiläum so gut wie gar nicht begangen. Ebenso wenig in diesem Jahr sein 210. Todestag, der 13.Juni 1798. Erstaunlich genug für den ausländischen Betrachter. Erstaunlich auch, dass nach seinem gewaltsamen Tod mehr als 150 Jahre vergingen, bis in Athen eine Gesamtausgabe seiner revolutionären Schriften erschien, darunter sein Entwurf für eine Verfassung, der dem Leser noch heute geradezu visionär erscheint. Und die erste ausführliche Rigas-Monographie erschien erst im Jahr 1989, geschrieben hat sie allerdings ein Brite. ….lesen Sie hier den ganzen Beitrag >>> pdf.

Exantas Heft 8/ Dezember 2008
(Lies „Velestinlis“ statt „Valestinlis“)

 

Völkerpsychologische Stereotypen bei Karl May

Im Zeitalter des Massentourismus und der Billigflieger gehört es heute zu den Selbstverständlichkeiten, einmal in Stambul gewesen zu sein. Durch die Schluchten des Balkans zu wandern, kann sich jeder leisten, selbst das Land der Skipetaren ist inzwischen ein Ziel des Pauschaltourismus. Vor 50 Jahren war das noch eher die Ausnahme, und was der durchschnittliche Deutsche über den Nahen Osten, den Maghreb und den Balkan zu wissen glaubte, war oft der Lektüre eines Trivialautors namens Karl May geschuldet. Die ersten sechs Bände der Gesamtausgabe des populären Schriftstellers – von „Durch die Wüste“ bis zum „Schut“ – wurden millionenfach gedruckt, die grün gebundenen Bücher gingen bei den Jugendlichen von Hand zu Hand. In meiner Jugendzeit konnte man die Bände, beispielsweise auch in rheinischen Pfarrbibliotheken ausleihen. Neuerdings sind sie wieder in Mode gekommen, es gibt Nachdrucke in Hülle und Fülle, und sogar eine historisch-kritische Gesamtausgabe, sowie, für Leute mit weniger Platz im Bücherregal, die gesammelten Werke auf DVD. Continue reading →

Die Seeschlacht von Navarino

Im nationalen Feiertagskalender steht – neben dem 25. März, dem Tag, an dem 1821 im Kloster Agia Lavra der Aufstand gegen die Osmanenherrschaft ausgerufen wurde – der 28. Oktober ganz obenan. Der 28.10.1941 ist der Tag, an dem das griechische Volk dem italienischen Diktator Benito Mussolini sein stolzes „Ochi!“ (nein!) entgegenschleuderte, als der Duce von seinem Athener Berufskollegen Metaxas ultimativ freien Durchmarsch für seine Schwarzhemden verlangte. Ein Datum zum Feiern, dieser 28. Oktober, sicherlich, hatte doch die griechische Armee den italienischen Invasoren anschließend eine vernichtende Niederlage bereitet. ….lesen Sie hier den ganzen Beitrag >>> pdf.

Exantas Heft 6/ Dezember 2007

Deutsche Botschaft gegen Deutsche Welle…

Ein fast vergessenes Kapitel deutsch-griechischer Mediengeschichte

Vor vierzig Jahren, am 21. April 1967, kam der NATO-Plan „Prometheus“ in Griechenland zur Anwendung: Das Militärübernahm die Macht und beseitigte in einem nächtlichen Handstreich die parlamentarische Demokratie. Sieben Jahre blieb die Junta-Putsch-Clique an der Macht, bis sie sich mit dem verunglückten Zypern-Putsch-Abenteuer selber stürzte. … lesen Sie hier den ganzen Beitrag >>> pdf.

Exantas Heft 5/ Mai 2007

Der ungesühnte Massenmord

In diesen Tagen wird allenthalben der Nürnberger Prozesse vor 60 Jahren gedacht. Ein Meilenstein auf dem Weg zu einem neuen Völkerstrafrecht, das Kriegsverbrechen nicht ungesühnt lassen soll (privilegierte Staaten natürlich ausgenommen), so tönt es hier und da sehr feierlich. Etwas verschämt erinnert man an der einen oder anderen Stelle daran, daß deutsche Juristen damals lauthals »Siegerjustiz« riefen, hinter vorgehaltener Hand sagen’s manche von ihnen ja noch heute. Continue reading →

Aktenzeichen C 292/06

Griechische Opfer der NS-Okkupation klagen vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg auf Entschädigung – ein Prozeß mit möglicherweise weitreichenden Folgen.

Nach einem spektakulären Rechtsstreit sah das nicht gerade aus, was am 28. September 2006 vor dem Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaft in Luxemburg, dem EuGH, zur mündlichen Verhandlung anstand. »Die Rechtssache Irini Lechoritou u.a. gegen die Bundesrepublik Deutschland – Vorabentscheidungsersuchen des Oberlandesgerichts Patras« – stand auf der Tagesordnung. Medienpräsenz und Presseecho waren entsprechend gering. Und doch ist das Verfahren mit dem Aktenzeichen C 292/06 von einiger Bedeutung. Es könnte am Ende um einige hundert Millionen Euro Schadensersatz für lange vergangenes Unrecht gehen, Continue reading →

Eine längst vergessene Geschichte

Warum Johannes Rau um die Jüdische Gemeinde von Thessaloniki einen so großen Bogen gemacht hat

Anläßlich seiner Staatsvisite in Griechenland im April dieses Jahres machte Bundespräsident Johannes Rau auch einen Besuch in dem kleinen Ort Kalavryta, der im Dezember 1943 als sogenannte »Repressalmaßnahme« von der Wehrmacht zerstört worden war. Über 700 männliche Einwohner des Ortes wurden dabei von Soldaten der 117. Jägerdivision massakriert. Rau legte für sie an der Gedenkstätte einen Kranz nieder und erklärte, es dürfe nicht vergessen werden, welches Leid Menschen in Griechenland von Deutschen zugefügt worden sei. Continue reading →